Die “Vierziger”

↑ [ Geschichte ]

Es waren wahrscheinlich 40 Siedler aus Bayern, die sich ungefähr im 12. Jahrhundert in der damaligen Grenzmark gegen die Ungarn östlich des bereits im Oberen Aigen bestehenden Weinhauerdorfes niederließen und vom Landesherrn Grundbesitz als Lehen erhielten. Ein Lehen bestand aus einer Behausung im “Unteren Aigen” , die sich im Bereich Kornplatz / Bahnstraße, Walterstraße, Am Anger, Röhrbrunnstraße, Rudolfstraße, Rathausstraße, Holzplatz, Kaserngasse, Kallbrunnerstraße befand. Weiters gehörten zu jedem Lehen Äcker, Weingärten, ein “Krautgarten” im Bereich von Gobelsburg und seit 1327 ein gemeinsames Holznutzungsrecht für den Eigenbedarf am sogenannten Vierzigerwald bei Schiltern (damals ca. 290 ha).

Wo sich die ursprünglich 40 Lehenshäuser befanden, lässt sich nicht mehr eruieren, da es vor 1439 keine Aufzeichnungen über die Vierzigerlehner gibt, die Rückschlüsse auf die Lage der Häuser zulassen. Die älteste erhaltene Urkunde, die auf die Vierziger Bezug nimmt, stammt aus dem Jahr 1327, in dem bereits von 57 “behausten Untertanen” die Rede ist. Durch Teilungen einiger Ganzlehen in Halblehen entstanden 58 Lehenshäuser, deren Besitzer sich zumindest bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Nur mehr 16 dieser ursprünglichen Lehensliegenschaften sind bis heute durchgehend noch immer “Vierzigerhäuser”, also Häuser mit ideellen Anteilen am “Vierzigerwald”. Alle anderen Besitzer verkauften ihre ideellen Waldanteile ab 1873 an andere Langenloiser Hausbesitzer.

Erst im Jahr 1821 erwarben die “Vierziger” die uneingeschränkten Eigentumsrechte an dem Wald hinter Schiltern. Vorher durften sie nur mit Genehmigung des Jaidhofer Waldmeisters, der für den gesamten, ursprünglich landesfürstlichen Gföhlerwald zuständig war, Holz aus dem Wald entnehmen, was zu jahrzehntelangen Rechtsstreitigkeiten führte, da sich die Vierziger, wie kaiserliche Kommissäre 1604 feststellten, den Wald “eigentümblich” gemacht hätten und illegal Bauholz schlägerten und es an Fremde verkauften. 1664 war der Wald durch Überschlägerung, Viehweide und Streuverkauf in einem derart schlechten Zustand, dass er als “abgeödet” bezeichnet wurde. Bis 1870 wurde praktisch das gesamte geschlägerte Holz unter den Vierzigern aufgeteilt, die zur Deckung der Ausgaben jährlich Beitragszahlungen zu leisten hatten. Die Haupteinnahmequelle aus dem Wald war bis ins 19. Jahrhundert der Waldstreuverkauf.

Heute stellt sich die wirtschaftliche Lage anders dar. Im Jahr 1967 wurde die Agrargemeinschaft Langenlois Vierzigergemeinde gegründet und bewirtschaftet seither erfolgreich ca. 349 ha Wald. Pro Anteil erhalten die Mitglieder jährlich eine gewisse Menge Holz und eine Dividende. Anteilsrechte können nur von Hausbesitzern in der KG Langenlois mit Zustimmung der Agrargemeinschaft erworben bzw. abgesondert (verkauft) werden. Die Höchstzahl ist mit 4 Anteilen pro Haus begrenzt.

Personen aus den Reihen der Vierziger gehörten vom 15. bis ins 19. Jahrhundert zu vermögendsten und politisch einflussreichsten Bürgern von Langenlois, die die höchsten Gemeindeämter bekleideten und bedeutende soziale Stiftungen machten, sei es für die Armen des Ortes, für kirchliche Institutionen oder für das Bürgerspital.

Im 20. Jahrhundert gehörten Mitglieder der Vierzigergemeinde zu denjenigen Langenloiser Bürgern, die in Politik und Wirtschaft in führenden Positionen tätig waren und sich im regen Vereinsleben engagierten.

Heutige „Vierzigerhäuser“ im Stadtkerngebiet sind durch eine kleine Granit-Tafel mit dem alten Zeichen  – XXXX –  an der Hausfront gekennzeichnet.


Text freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Dr. Doris Steiner